Theater einBLICK
Das eigene Leben meistern
Mittelalterliche Musik ertönt atmosphärisch beim Einlass ins dt.2. Auf Gitarre und Querflöte spielen zwei Schauspieler*innen eine bekannte Melodie, die einen sofort ins Mittelalter fallen lässt. An der langen gedeckten Tafel sitzen drei Schauspieler*innen.
»Der Fall Parzival« hatte gestern im Deutschen Theater Premiere und folgt der Lebensgeschichte Parzivals am Hofe König Artus. Als naiver Mensch, der zurückgezogen im Wald lebt, träumt er davon, ein Ritter der Tafelrunde zu werden. Um das zu erreichen, muss er bestimmte Tugenden erfüllen. Doch nicht jeder Ratschlag seiner Mutter und Weggefährten führt zur Tugend. Er muss seinen eigenen Weg finden, Fehler machen und daraus lernen. Das Wechselspiel zwischen Gesellschaft und Individuum ist für Parzival ein langer Weg des Lernens. Und wer den Gral finden möchte, braucht einen langen Atem.
Die Schauspieler*innen zeigten in »Der Fall Parzival«, wie sich der mittelalterliche Parzival mit heutigen gesellschaftlichen und individuellen Themen verbindet. Mit viel Witz, Percussions und teils herzergreifenden Szenen entstand eine Aufführung, die uns selbst fragen lässt, was unser eigener Gral ist. Berührend dabei war, dass alle Figuren ihre eigenen Bilder einer Gesellschaft präsentierten – zum Beispiel das einer freien Gesellschaft ohne Diskriminierung, in der Frauenrechte gewahrt sein sollen.
Es gab langen Schlussapplaus für ein Stück voller künstlerischer Intelligenz. Großartig gespielt und mit viel Elan brachte uns der Fall Parzival näher, was der eigene Gral sein könnte. Für was stehen wir in der Gesellschaft? Lernen wir aus Fehlern? Machen uns nicht Fehler erst zu Menschen? Die eigene Suche, dafür steht auch Parzival. Es ist ein Fall. Wohin, das weiß man nicht.
