Theater einBLICK

30.06.2026

Den eigenen Gedanken Raum schenken

Vincent Sartorius, Scharfer Blick / Kritiker*innenclub 29. Juni 2026
DiDiWuDiDaBle (sie schrie nicht ins kissen)
Zum Stück

Im Deutschen Theater endete das DT–Am Puls-Festival mit dem besonders absurden Stück »Didiwudidable (sie schrie nicht ins Kissen)« (Regie: Tara Helena Weiß & Lou von Gündell). Zu Beginn lässt es sich noch nicht erahnen, wohin diese Reise geht. Klar ist nach dem ersten Monolog: es wird sich alles im Kopf abspielen. Eine Gedankenflut, die so schön, so überraschend und grotesk ist. In den manchmal verwirrenden Szenen wird nach und nach deutlich, dass im Theaterstück etwas verhandelt wird: Gefühle, die durch Kriege und der eigenen Sterblichkeit ausgelöst werden. Es gibt z.B. eine Szene, in der bis auf eine Person alle massenhaft sterben. Um dem entgegenzutreten, ist das Theaterstück ein Wechselbad der Gefühle zwischen Glück (Heidi-Lied), einer schönen Kindheit und Frust, gar Wut. Die Wut, performt mit Tanzchoreografien, während der andere Teil der Gruppe andeutet, mit Smartphones zu telefonieren. Die Nachrichtenflut, der Krieg, eine große Unsicherheit lassen einen erstarren oder wütend werden. Der Krieg, die Wehrpflicht – eine weitere Szene – Militarisierung der Gesellschaft, verbreiten Angst. Wie kann man sich mutig fühlen? Wie mit dieser Angst, den eigenen Gefühlen umgehen? Neben den bereits beschriebenen Gefühlen und Gedanken ist der innere Schweinehund, der mit Popcorn gefüttert wird, ein Bild, das sich eingegraben hat: Gegen den Verdruss etwas positives schaffen und sich überwinden.

Die Darstellerinnen waren auf der Bühne großartig in ihren Rollen und spielten mit ihren Rollenverständnissen. Bist du in der Rolle oder nicht? Frei nach Shakespeare »sein oder nicht sein«. Es war lustig mitanzusehen, wie sie vermeintlich an ihren Rollen scheitern. In diesem Stück hatte jede Darstellerin ihre Szene, in der sie im Mittelpunkt stand. Zwischen gemeinsamem Bemalen der Wand bis zu Choreografien wurde eine unglaubliche künstlerische Intelligenz geboten. Mit langanhaltendem Applaus ging ein Theaterstück zu Ende, das fesselt und besondere Momente kreierte. Man wünschte sich, dass die Zuschauer*innen nochmal den Gedanken folgen könnten, um neue zu entdecken.