Theater einBLICK

02.07.2026

Sein oder spielen? Oder vor allem etwas Peinliches machen, weil wir ja noch nicht tot sind?

Marie Bachmann, Scharfer Blick / Kritiker*innenclub 30. Juni 2026
DiDiWuDiDaBle (sie schrie nicht ins kissen)
Zum Stück

Vor einem einfachen Bühnenbild mit weißer Wand, schwarzen Bemalungen, Tür, Tisch und Stuhl entfaltet sich ein innerer Monolog, eine Traumwelt, voller Gedankensprünge in Schwarz und Weiß, gestreift, geringelt, kariert und vermustert.

Das gesamte Stück »DiDiWuDiDaBle« besteht aus vielen kurzen Episoden mit einzelnen Darsteller*innen, die dann meist durch Gruppenperformances weggewischt, neu geordnet und schließlich wieder in einer neuen kurzen Episode aufgehen. Unterstützt wird das monochrome Chaos in schwarz und weiß von Projektionen und musikalischen Einwürfen, die von Kylie Minogues »Can’t Get You Out of My Head« bis zur Titelmusik von »Heidi« reichen.

Das starke und vertraute Zusammenspiel der Gruppe wird insbesondere in den äußerst synchronen Kollektivszenen deutlich. Ob beim Rauchen, Tanzen, Schreiben, Nicken, Yes-Sir-en oder Staunen – trotz individueller Bewegungen bilden sie ein simultanes Gesamtkunstwerk für sich. Alle Schauspieler*innen haben wirklich fantastische Arbeit geleistet. Insbesondere die wütend tanzende Darstellerin, die die Choreografie zu einem ungarischer-Tanz-ähnlichen Lied einleitet, hat sich der Darstellung vollkommen hingegeben und auch Jene, die sich verzweifelt über die Scheidung ihrer Wohnungen und die Zugehörigkeit ihres Tisches sorgt überzeugt durch ihr Spiel.

Lustig fand ich den gegen Ende selbstironischen Blick auf das Theater itself. Shakespeare’s To be or not to be, abgefahrene Kostüme und ein abstraktes Bühnenbild – das sei es ja, was eine gute Performance braucht, erklären sie sich gegenseitig selbst auf der Bühne. Und sind wir mal ehrlich: Genau das haben wir bekommen. Nicht nur als augenzwinkernde Behauptung, sondern in beeindruckender Konsequenz und mit großer Spielfreude umgesetzt. Es war großartig, eigenwillig und absolut absurd und dabei unglaublich mitreißend. Danke an alle Darsteller*innen – an Anna, Anni, Annica, Emi, Henriette, Janna, Kira, Lilian, Marlene, Marli und Selina und auch an Lou von Gündell und Tara Helena Weiß, die als gemeinsame Regie und Spielleitung ein Unikat auf die Bühne gezaubert haben.