Göttinger Friedenspreis 2026

Verleihung an den Zeitzeugen und Holocaust-Überlebenden Dr. Leon Weintraub und an das europaweit größte Antidiskriminierungsprojekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.
dt.1
Premiere 07. März 2026
Dauer 120 Minuten
07.03
Sa
11:00-13:00 Uhr
Der Göttinger Friedenspreis zeichnet jährlich Menschen und Organisationen aus, die sich in außergewöhnlicher Weise wissenschaftlich oder praktisch für den Frieden engagieren und sich für gesellschaftliche Verständigung einsetzen. Die Stiftung Dr. Roland Röhl wurde 1998 auf Grundlage des Testaments ihres Namensgebers und Stifters Dr. Roland Röhl gegründet. Er verfügte den Stiftungszweck und den Rahmen für dessen Erfüllung.
Die diesjährige Verleihung des Göttinger Friedenspreises verspricht ein besonderes Event zu werden; immerhin wird er gleich zweifach vergeben: an den Zeitzeugen und Holocaust-Überlebenden Dr. Leon Weintraub einerseits, andererseits an das europaweit größte Antidiskriminierungsprojekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Für das 1995 etablierte Projekt nehmen die langjährige Vorstandsvorsitzende Sanem Kleff und Eberhard Seidel (ehemals Geschäftsführer, inzwischen Senior Advisor des Projektes) den Preis entgegen; Weintraub wird zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Evamaria Loose-Weintraub erwartet. Die Laudatio hält, wie es sich für einen solch speziellen Anlass gehört, niemand geringeres als Mo Asumang, bekannt aus Film, Fernsehen – und von der Spiegel-Bestsellerliste.
Der Eintritt ist kostenfrei, gerade darum indes empfiehlt sich ab sofort eine verbindliche Reservierung nebst Abholung der Platzkarten an unserer Theaterkasse.

Seit über dreißig Jahren setzt sich Dr. Leon Weintraub gegen das Vergessen des Holocausts ein. Sein Engagement wird mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt, der Paracelsus-Medaille der Bundesärztekammer – und nun mit dem Göttinger Friedenspreis. Außerdem ist es der Göttinger Wallstein Verlag, der 2022 seine Memoiren unter dem Titel „Die Versöhnung mit dem Bösen. Die Geschichte eines Weiterlebens.“ veröffentlicht.
Seine Verbindung zur Stadt beginnt allerdings bereits 1946 mit der Aufnahme des Medizinstudiums. Dass es dazu kommt, verdankt sich einer gleich mehrfach glücklichen Fügung in einer unglückseligen Zeit: Er überlebt das Ghetto Litzmannstadt, das die Nationalsozialisten im Februar 1949 in Łódź errichten. Er entkommt dem Vernichtungslager Auschwitz, übersteht die Konzentrationslager Groß-Rosen, Flossenbürg und Natzweiler-Struthof. Der Holocaust nimmt ihm 64 Familienmitglieder. Trotz allem beteuert Weintraub: „Das Wort ‚Hass‘ gibt es nicht in meinem Wortschatz. Das zweite ist ‚Rache‘.“ Stattdessen setzt er auf menschlichen Austausch, Erinnerung und den gemeinsamen Weg nach vorne.
Das Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage wurde 1988 in Belgien gegründet und 1995 nach Deutschland gebracht. Es ist das größte Schulnetzwerk Deutschlands im Bereich Antidiskriminierung und zielt darauf ab, ein respektvolles und tolerantes Miteinander zu fördern. Schulen, die den Titel tragen möchten, verpflichten sich, aktiv gegen Rassismus, Mobbing und jede Form von Diskriminierung einzutreten. Voraussetzung ist, dass mindestens 70 % aller Menschen an der Schule – also Schüler*innen, Lehrkräfte und Mitarbeitende – diese Selbstverpflichtung unterzeichnen. Das Netzwerk bietet Workshops, Projekte und Aktionen an, die Bewusstsein schaffen und Zivilcourage stärken. So wird Schule zu einem Ort, an dem Vielfalt als Stärke erlebt und gelebt wird.