Voller Anmut zeigt sich Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit und Patronin unseres Rechtssystems, mit Schwert, Füllhorn, Waage und Augenbinde. Letztere symbolisiert, dass Justitia stets ohne Ansehen der Person gerecht urteilt. Doch jüngste Vorfälle, wie beispielsweise in der JVA Augsburg-Gablingen, stellen die Frage, ob dieses Symbol mittlerweile auch ein System des Nicht-hinsehen-Wollens repräsentiert. Denn unlängst berichteten immer wieder Insassen im deutschen Strafvollzug von: Folterpraktiken, Unterbringung in fensterlosen Zellen ohne sanitäre Anlagen, Schlägen, Tritten und Nahrungsentzug. Die Vorwürfe sind gravierend, doch wenige der Berichte gelangen an die Öffentlichkeit. Indes werfen sie Fragen auf – was passiert denn eigentlich wirklich im deutschen Strafvollzug? Was bleibt verborgen und warum? Und vor allem: Geschieht dies alles wirklich im Namen des Volkes? Diese recherchebasierte Stückentwicklung der jungen Regisseurin Susanne Frieling setzt sich mit dem Konzept des Strafvollzugs als gesellschaftliches Machtinstrument auseinander. Hierbei geht es nicht nur um die Strafe als individuelle Maßnahme für begangene Vergehen, sondern auch um die Strukturen und Mechanismen des Strafvollzugs, die tief in die Gesellschaft eingreifen und so ihre eigene Ordnung und Moral behaupten.
Pressestimmen
»Inszeniert hat es Susanne Frieling, die für ihre Stückentwicklungen bekannt ist. Das Problem schildern über 95 Minuten Stella Maria Köb, Charlotte Wollrad, Paul Trempnau, gegen Ende noch Bastian Dulisch. Die elegante Bühne dafür – blanker Fußboden, darüber wunderschöner Himmel, eine Kabine und Sitzbänke am Rand – hat Chani Lehmann entworfen.«
Peter Krüger-Lenz, Göttinger Tageblatt 24.1.2026
»In diesen Tagen ist Anklage gegen die frühere Gefängnisleitung und weitere Mitarbeiter der JVA Gablingen erhoben worden, fast zeitgleich ist im Deutschen Theater ein Stück zu Ungerechtigkeiten im deutschen Rechtssystem und zum Machtmissbrauch in deutschen Gefängnissen auf die Bühne gekommen. „Im Namen des Volkes“ hat auf der kleinen Bühne im DT.2 eine langbeklatschte Premiere gefeiert.«
Ute Lawrenz, HNA 25.1.2026
»Die von Chani Lehmann gewählte einheitliche Lederkleidung der Darsteller*innen – (...) ein Verweis auf Macht, Dominanz oder sadistische Strukturen – erinnert daran, dass es sich um eine künstlerische Setzung handelt. Frieling gelingt so eine Inszenierung, die die Grenze zwischen Theater und Wirklichkeit verwischt.«
Felicitas Klingler, Scharfer Blick / Kritiker*innenclub, 2.2.2026
»Diese Aufführung deckt menschenunwürdige Zustände auf und ermutigt zum Haltung zeigen. Sie haben am Ende Gelegenheit, sich selbst zur Thematik zu positionieren und sich im Plenum über Gerechtigkeit und Demokratie auszutauschen, auch dieser Dialog ist, im Namen des Volkes, absolut erlebenswert.«
Andreas Arnemann, Scharfer Blick / Kritiker*innenclub 24.2.2026